Wirkliches Leben beginnt mit der Einsicht, nur dieses eine und einzige Leben zu führen. Wollen wir – wie es althergebrachte Religionen hämmern – so tun, als wäre unser Leben nur ein flackerendes Video am Bildschirm, aus dem wir nach Belieben aussteigen können? Um es im Urlaub, in einem Jahr oder irgendwann später fortzusetzen, in beliebigen Wiederholungen und Varianten samt eingebautem Happy End? Ähnlich hält uns der Alltag in Atem und verhindert so den Blick auf den Horizont. 

 

Die Entzauberung des "aufschiebbaren" Lebens

Das Erkennen und Akzeptieren des Jetzt hat unmittelbare lebensgestaltende Folgen. In jenem Moment, wo wir uns von den banalen Illusionen einer Verlängerung (im Himmel, im Jenseits, in den Energieschwingungen des Universums,... ) oder Wiederholung (Auferstehung des Leibes oder des Geistes in göttlichen und nichtgöttlichen Varianten wie Wiedergeburt, Inkarnation,.. ) verabschieden, kann intensives Leben beginnen.

Sinnkrisen, Lebenskrisen oder Todesfälle in der Familie und im Bekanntenkreis führen uns vor Augen, wo wir jetzt stehen, was uns eventuell zustoßen kann oder letztendlich sicher geschehen wird. Sogar runde Geburtstage können diese lebensintensivierende Effekte haben.  Nützen wir diese Chancen, wenn es heißt "50", "60",  "75" und ähnliche Jahresschwellen.  


 

Endlichkeit als Weckruf

Solche Ereignisse regen die Bilanzierung des Lebens an: Was haben wir bisher getan, was wollen wir in naher und mittlerer Zukunft tun? Nicht zählt eine ferne Zukunft in Jahrhunderten oder Jahrtausenden. Was ist uns jetzt und in absehbarer Zeit wirklich wichtig, was wollen wir erreichen, mit wem wollen wir enger zusammenleben? Welche Gefühle sind für uns wichtig?

Dieses jähe Erschrecken, dass auch wir sterben werden, tut wen und ist gleichzeitig unbezahlbar. Wir werden dadurch angestoßen werden, intensiver zu leben. Nutzen wir diese wertvollen Impulse des Schauderns und Schreckens. Sie machen uns lebendig!

Herbst 2010 und Jänner 2026